Seen, but not truly seen
Manchmal sehen mich Menschen an und denken, sie ist wunderschön, sie wirkt sympathisch, ihr Leben ist bestimmt schön, sie hat viele Freunde, einen Freund und ist glücklich. Einer hat auch mal gesagt ich sehe so aus, als hätte ich Katzen. Ob das wohl ein Hint dafür war, dass er mich eigentlich wirklich sieht und merkt, dass ich nur happy nachhause gehe, weil dort meine zwei Babys warten und mich an miauen?
Naja so viel Hoffnung habe ich schon lange in keinen Menschen mehr gesteckt, obwohl vielleicht doch, immer wieder ein kleines bisschen. Aber jedes Mal wird es auch ein bisschen weniger.
Abschliessen und Neustarten
Ich versuche jedem Menschen mit einem reinen weissen Blatt zu begegnen und sie frisch zu verstehen, ohne dass meine Gedanken mir in die Quere kommen.
Ist das Naiv? Ist das gerecht? Ist das dumm? Ist das eine Chance?
Wenn jemand etwas sagt, was mich denken lässt, dass die Person mich verarscht, meine ich immer ich übertreibe, vielleicht meint die Person es ja gar nicht so.. Vielleicht bin ich einfach nur traumatisiert, vielleicht bin ich zu empfindlich.
Aber ehrlich, muss ich denn immer auf die anderen achten? Darf mein Blatt nicht auch nach so vielen Enttäuschungen ein wenig grau sein? Ein hellgrau ist doch völlig in Ordnung. Die Menschen sind nicht alle wie ich, nicht alle meinen es gut, nicht alle sind emphatisch, sie können auch einfach scheiss Wixxer sein. Spassten die gerne gute Menschen ausnützen, denn wer ist einfacher auszunützen als gute Menschen?
Mauer oder Draht
Durch die vielen Enttäuschungen fällte es mir jedem einzelnen Menschen immer schwerer mich zu öffnen, meine verletzliche Seite zu zeigen, meine Mauer ist riesig und ich habe Angst dies weiter abzubauen. Ich habe das Gefühl, mit jedem Stein, den ich wieder von der Mauer nehme, schiesst die andere Seite mit ihren Gewehren los und ich stehe einfach ganz frei da, mein Kopf ragt raus und ist die grösste Zielscheibe. Also schnappe ich mir direkt wieder 3 Steine und lege sie auf die Mauer drauf.
Verhält sich eine Person wie die andere, welche mich als letztes verletzt hat, ist das dasselbe Muster oder muss ich das aus einer anderen Perspektive ansehen?
Ich frage mich, kann jemand wirklich jemals so viel geben, dass sich unsere Welten nur noch mit einem Drahtzaun trennen? Kann ich jemandem 100% vertrauen? Kann ich so sein, wie ich bin, ohne immer vorsichtig zu sein?
Alte Lasten
Ich wurde mal gefragt, ob ich noch an alte Zeiten denke und ob das mein Leben beeinflusst.
Ich antwortete mit nein, aber ist das wirklich wahr? Ich denke tief im inneren denke ich jeden einzelnen scheiss Tag daran, immer wieder kommt ein wenig hervor ohne, dass ich es wirklich möchte, es passiert einfach.
Egal ob eine banale Alltagssituation mich daran erinnert, ein Ort, ein Duft, eine Situation von der eine Freundin oder ein Freund berichtet, eine Diskussion am Arbeitsplatz.
Immer wieder denke ich, ahja das war damals auch so, ahja das kenne ich, ahja ich verstehe dich, ah bin ich wirklich so? oh stimmt etwas nicht mit mir?
Ich versuche jeden Tag daran zu arbeiten und mir diese alten Lasten und das alte Overthinken, einfach abzulegen, ich denke daher bin ich mittlerweile so gut darin geworden, dass mich Sachen einfach kalt lassen, das mir alles und jeder egal ist, ich werde egoistisch, ich denke nur noch an mich und an was mich glücklich macht. Ist das schlimm, frage ich mich immer wieder. Verletze ich andere dadurch? Werde ich so meinen Platz im Leben finden? Habe ich überhaupt Freunde?
Nicht genug oder doch zu viel
Ich bekomme immer wieder das Gefühl vermittelt nicht genug zu sein, mit kleinen Behauptungen, die vielleicht auch nicht so gemeint sind.. Mit «tut mir leid, ich habe keine Zeit». Mit «ich möchte das XY das übernimmt, denn ich kann das nicht erklären» usw.
Ich versuche alles für einen Menschen zu machen, ihn wirklich zu verstehen und gebe mein ganzes Wesen ab, um allen gerecht zu werden.
Dann kommt auf einmal die Aussage, «du bist zu viel, ich kann das nicht zurückgeben».
Also wo ist den nun mein Platz? Darf ich so sein, wie ich bin? Darf ich offenherzig und emphatisch, emotional und unterstützend sein? Das ist wer ich wirklich bin.
Oder muss ich vorsichtig, spielerisch, egoistisch und selbstgerecht sein? Muss ich mich so sehr verändern, dass sich andere wohl fühlen und genau so scheisse bleiben können, wie sie sind?
Wieso sollen die schlechten, unreflektierten, toxischen Menschen, die nicht wissen, was sie wollen, einen Platz in dieser Welt und einen Platz in einem Herzen eines anderen Menschen (oder sogar mehreren Menschen…) finden, in dem Sie sich ausruhen können? Aber wir, die ehrlich und raw sind, wir müssen kämpfen bis wir kaputt sind, wir müssen flüchten, wir werden beschmutzt.
Also was soll ich tun -
Allein unter Menschen – meine Geschichte
Nur weil man unter vielen Menschen ist, heisst das nicht, dass man nicht auch alleine ist. Einsamkeit ist ein Gefühl und kein Zustand, aber ich wünschte mir, dass ich nicht mehr einsam bin, sondern vielmehr alleine. Denn dieses Gefühl von Einsamkeit holt mich immer wieder ein. Obwohl ich ganz ehrlich sagen muss, dass eine Person, die ich durch einen anderen Menschen so lange nicht mehr in meinem Leben hatte, mich jetzt wieder erfüllt und mir sehr hilft.
Ich war ganz lange Zeit mit einem Menschen in einer Beziehung, die mich emotional komplett zerstört hat, auch ich selbst habe mich zerstört, ich kann nicht alles auf eine andere Person schieben (da kommt wieder die Gerechtigkeit in mir auf, denn, doch eigentlich ist es NUR wegen dieser einen Person geschehen…). Ich konnte es nicht sehen, was meine Freunde damals sahen. Ich musste erstmal am Boden sein, komplett alleine, komplett am Arsch, ohne dass mir jemand hochhilft, damit ich merke, nicht mal mein Partner streckt mir die Hand aus, sondern ich halte mich an seinem Bein und er schleift mich immer nur mit.
Ich war also alleine und ich merke es geht nicht mehr. Ich warte und warte.. Wochen, nein Monate. 1 ganzes verdammtes Jahr, bis dann die Möglichkeit kam, mich vollständig zu lösen.
Die Trennung gab mir ein komplettes Freiheitsgefühl, sowas hatte ich noch nie erlebt. Ich trauerte nur um den Menschen den ich immer um mich hatte aber nicht um die Seele die in ihm steckte.
Seen, but not truly seen
Also, das nächste mal wenn du mich siehst, sieh bitte auch all die Erinnerung, die ich in mir trage. Achte auf mich, pass auf mich auf, ich werde es auch tun.